Samstag, 20. März 2010

Heute
  • ...lagen Marco und ich lang und gemütlich im Bett, weil meine Vorlesung um 15.50 Uhr anfängt.
  • Haben wir schön gefrühstückt. Marcos Brot heisst "Stuttgart". Ich bleibe immer noch bei Müsli mit Jogurt mit Früchten. Nektarinen und Zwetschgen sind grade modern.
  • War ich joggen. Das Wetter ist super heute. Es war wunderschön, durch die Natur zu laufen. Bin zum Wasser runtergegangen. Hier ist ja überall Wasser, wir wohnen ja auf einer Insel. Da wachsen Brombeeren, alles ist von Schilf bewachsen und die Aussicht ist einfach herrlich. Das war ein Moment, wo ich richtig überwältigt war und es unendlich genossen habe, hier in Chile zu sein und so etwas erleben zu dürfen. Die Landschaft hier ist so beeindruckend. Hab wirklich Glück, hier sein zu können.
Hatte richtig Lust, baden zu gehen, musste mich aber beeilen, wieder nach Hause zu
kommen und schnell zu duschen, um rechtzeitig zur Vorlesung zu kommen.
  • Die Vorlesung "Taller de Gestión" (es geht um Führungskompetenz im aktuellen Kontext) war sehr gut, hat Spass gemacht und wir haben viel gelernt. Solche Vorlesungen, wo man direkt viel für sich selbst mitnehmen kann und wo es nicht nur um trockene Stoff-Vermittlung geht, finde ich am wichtigsten. Sehr interessant und inspirierend. So werde ich also kein Französisch machen können dieses Semester. Müsste mich zwischen den beiden Vorlesungen entscheiden, und da bringt mir der "Taller de Gestión" doch viel mehr. Schade, schade, hätte gerne ein bisschen französisch geredet, daran habe ich immer viel Spass.
  • und jetzt sitze ich zuhause, höre den Lärm der nahe gelegenen Rodeo-Arena, wo gerade Wettkämpfte abgehalten werden. Ich bin aber lieber dabei, mich über interessante Themen im Internet zu informieren. Es gibt viele erstklassige Zeitungsartikel, man muss sie nur finden...

Freitag, 19. März 2010

Tage in Valdivia

Am Sonntag waren Marco und ich wie üblich wieder auf dem Markt. Da gibt es nicht nur frisches und günstiges Obst und Gemüse, womit wir uns ordentlich eingedeckt haben, sondern auch einen Flohmarkt, wo ALLES MÖGLICHE angeboten wird. Ich habe mir eine deutsche Zeitschrift von 2003 gekauft, eine Pinzette und Haargummis. Ausserdem hab ich verschiedene Jacken anprobiert, wir haben ein Ladegerät für Marcos tragbare Anlage gesucht und einfach nur rumgeschaut. Spannend, was man da so alles findet, wobei vieles einfach nur Schrott ist. Naja, es gab auch günstige Fahrräder, da überleg ich mir, vielleicht eins zu kaufen. Mal schauen, es gibt auf jeden Fall welche, das wusste ich nicht.

Ausserdem hat Bine mir ihre Festplatte geliehen und so konnte ich meinen PC endlich mit Musik und auch Fotos aus Münster und Spanien füllen. Herrlich, jetzt kann ich endlich wieder gemütlich sitzen und Musik hören. So entdecke ich gute Musik wieder: FooFighters, Tracy Chapman, Manu Chao, PUR und Helge Schneider. Das ist wichtig für mich. Genauso wie die Fotos. Einige konnte ich auch aus dem Internet runterladen, zwar einzeln per Rechtsklick, aber so hab ich sie wenigstens. Cori hat mir auch welche geschickt von unserer gemeinsamen Zeit hier. Ausserdem ist wichtig für mich, endlich wieder telefonieren zu können und so in Kontakt zu sein mit den Menschen, die mir so wichtig sind.
Und einen kompletten Abend habe ich im StudiVZ verbracht, um mal wieder in Kontakt zu sein mit Bekannten von früher und um mal von mir hören zu lassen. Und ich habe mir die ganzen Fotos von früher angeschaut, aus Schulzeiten und auch von der CALA-Zeit. Das meiste sind Partyfotos... Schöne Erinnerungen auf jeden Fall, überall Momente, die ich gemeinsam mit meinen Freunden erlebt und geteilt habe. War schon eine tolle Zeit, damals...
Naja, jetzt auch! Am Montag haben Marco und ich Brombeeren geernt und Bine und ich haben daraus leckere Muffins gemacht!

Am Dienstag um 8 hatten Bine und ich unsere erste Vorlesung. Energiewirtschaft. Ein sehr, sehr spannendes Thema. Das wird, glaub ich, das beste und interessanteste Fach dieses Semesters. Wir waren aber nur zu zweit mit dem Prof... Mal schaun, ob noch mehr dazu kommen.
Danach musste ich noch einige Dinge organisieren an der Uni und bin über den kompletten Campus gelaufen und war probeweise in einer Englisch-"Vorlesung". Das ist aber mehr so wie in der Schule, in der 8. Klasse. Da diskutiert man in der Runde und erzählt davon, wie man das Erdbeben erlebt hat. Viele kriegen das aber nicht so gut hin...... Naja, ich würde ja aus Übungszwecken hingehen, dass ich mein Englisch nicht verliere, allerdings lerne ich so gut wie nichts dabei. Mal schauen, ob nicht noch ein anderer, fortgeschrittenener (gibts das Wort?) Kurs zusammenkommt.
Mit Französisch (Mittwoch) das gleiche. Da war ich auch probeweise in einer Vorlesung, da waren wir 6 und haben und von unseren Ferien erzählt und ein Rollenspiel gespielt. War auf jeden Fall lustig, wir haben viel gelacht und die Atmosphäre ist sehr angenehm. Aber das Niveau ist eigentlich weit unter dem, was ich eigentlich suche. Aber ein "Konversationskurs" würde Geld kosten und wäre auch nur einmal die Woche. Ausserdem hab ich da Probleme mit dem Stundenplan, hab da noch andere Vorlesungen. Muss nochmal schauen, wie ich es mache... Ich denke nur, dass ich es ausnutzen sollte, dass ich hier noch das letzte Mal die Chance habe, kostenlos an Weiterbildung zu kommen. Für jeden Auffrischungs-Sprachkurs, den ich in der Zukunft wahrscheinlich brauchen werde, werde ich bezahlen müssen.
Und heute, am Donnerstag, waren Bine vor unserer zweiten Energiewirtschaft-Vorlesung im schönen Café "Entrelagos" und ich habe die wohl weltbeste Sachertorte gegessen. Der Capucchino sah etwas speziell aus, war aber auch ausgezeichnet. Mit selbstgemachter Sahne und Amaretto-Sirup.
So ist das Studentenleben sehr angenehm!

Sonntag, 14. März 2010

Bootstour und Niebla

Freitag Morgen waren wir in der Stadt, Marco und ich, und haben die nötigsten Sachen eingekauft: Klamotten für Marco und eine Heizung. Ausserdem waren wir mit der Vermieterin bei einem Notar, um den Mietvertrag zu unterschreiben.
Nachmittags haben Bine und ich eine Bootstour gemacht. Die war sehr schön, so haben wir die Flusslandschaft Valdivias kennengelernt und das schöne Wetter genossen. Bine ist sogar ein bisschen braun geworden, sie ist ja grade erst aus dem kalten deutschen Winter entflohen und ist begeistert vom Spätsommer hier. Zu recht, es ist auch herrlich.


Wobei sich das Wetter heute morgen (Samstag) schlagartig geändert hat: Bedeckt, kalt (10°) und Graupel. Sehr unangenehm. Naja, wir sind trotzdem unterwegs gewesen und sind an die Pazifikküste gefahren nach Niebla und haben leckere Krebs-Empanadas gegessen und Erinnerungen an Deutschland aufgewärmt.

PS: Fotos geklaut von Bine

Thema "Uni" und Thema "Wohnung"

Am Mittwoch Morgen war ich mit Bine in der Uni, um uns mit dem Studienleiter zu treffen und über die Fächer zu reden. Wir haben unseren Stundenplan aufgestellt. Ich muss nur drei Fächer belegen und werde mir erstmal die verschieden Vorlesungen anhören und mich dann entscheiden. Ausserdem muss ich eine Hausarbeit schreiben. Mal schauen, was für einen Prof ich finde und über was für ein Thema ich schreibe. So, dass war der Mittwoch und das Thema "Uni" ist erstmal erledigt bis nächsten Dienstag, wo ich mir eine Vorlesung anschauen werde.
Und jetzt zum Thema Wohnung:
Tja, unsere Wohnung war sehr schön und ich hatte viel Spass darin, mich einzurichten, Sachen aus den Koffern zu holen, von denen ich vergessen hatte, dass sie existieren (zum Beispiel die Winterpullis...) und für alles einen geeigneten Platz zu finden.
So sah unser erstes Abendessen aus:
Leider war die Wohnung SEHR hellhörig und es hat sich so angefühlt, als ob die Leute von unter uns direkt in unserem Wohnzimmer sitzen. Die Unterhaltung hat man bis um 4 Uhr morgens Wort für Wort mitverfolgen können. Und obwohl die Fenster zu waren, ist der Zigarrettenrauch in unser Schlafzimmer gekommen. So war die erste Nacht nicht besonders angenehm und wir haben das Anliegen an unsere Vermieterin weitergegeben. Da ist sie durchgedreht und hat sich aufgeregt, dass wir die ersten sind, die uns beschweren und dass die Leute so viel Party machen können, wie sie wollen und wenns uns nicht passt, sollen wir doch gehen. Das haben wir dann auch gemacht.
Am Donnerstag Morgen haben wir unseren kompletten Kram MAL WIEDER in unsere Koffer verpackt und sind umgezogen. Jetzt sind wir in einer sehr schönen Cabaña, noch näher bei der Uni und auch in einem sehr schönen Viertel. Und hier können wir wenigstens in Ruhe schlafen.

Die Wohnung hat zwei Stockwerke: Unten befinden sich Wohnzimmer, Küchenzeile und Bad und oben zwei Schlafzimmer. Das kleinere davon hab ich direkt als Studier-und Schminkzimmer eingerichtet. Es ist sehr gemütlich hier, wir fühlen uns richtig wohl und sind endlich irgendwo ANGEKOMMEN. Die Wohnung ist neu, wurde letztes Jahr gebaut und die Vermieter sind auch sehr nett und herzlich. Hier werden wir auch wohnen bleiben bis Ende Juli.

Es ist so schön, einen Ort für sich zu haben, Privatsphäre und Ruhe und man kann leben, wie es einem beliebt. Die letzten drei Monate haben wir ja aus dem Koffer gelebt und waren immer bei irgendjemand zu Besuch. Und hier haben wir endlich unser eigenes Reich und unseren Alltag. Ich freu mich so, dass ich wieder am Computer sitzen kann mit einer unserer eigenen Kaffeetassen und Blog schreiben oder Bilder hochladen.

Hab diverse neue Bilder auf Picasa hochgeladen von der Zeit in Rancagua, der Fahrt hierher nach Valdivia ("Viaje en Bus") und die neuesten hier aus Valdivia.

Die letzten paar Tage

so, jetzt komme ich endlich mal wieder dazu, hier was reinzuschreiben und von allem zu erzählen, was in den letzten Tagen so passiert ist.
In Rancagua haben wir die Tage seit dem Erdbeben mit Warten und Aufräumen verbracht. Ich bin auch noch krank geworden und bin 2 Tage nur im Bett gelegen mit einer Thermoskanne Tee neben mir und Büchern von Paul Coelho. Marco hat sich gut um mich gekümmert und mir Essen, Sandwich und Wasser gebracht. Und zwischendrin hat er noch die Gartenmauer wieder aufgebaut. Und nebenher hat er versucht, Bustickets zu bekommen nach Valdivia. Alle Fahrten wurden erstmal annulliert. Nach ein paar Tagen fuhren dann einige wenige Busse. Wir haben dann noch einen abgekriegt und sind dann am Freitag mittag losgefahren. Die Fahrt war ruhig und angenehm. Hatten "cama", sowas wie erste Klasse gekauft und hatten jede Menge Platz. Ich hab gelesen und mir die Landschaft angeschaut. Aber die Zeit ist sooooo langsam vorbei gegangen. Und ich hab mich auch noch schlecht gefühlt. Naja, nach 11 Stunden waren wir dann abends um 12 in Valdivia. Die Strassen waren in erstaunlich gutem Zustand, ein paar Mal wurden wir umgeleitet und es gab einige Staus, aber keiner länger als 5 km. Teilweise hat man schon krasse Risse im Asfalt gesehen und an einer Stelle war die Fahrbahn 10 m abgesackt. Da war einfach nichts mehr! Ausserdem haben wir diese Brücke gesehen, die ständig in den Nachrichten kommt, weil sie das Ausmass der Verwüstung zeigt. Ausserdem haben wir gesehen:
-eine abgebrannte Fabrik
-umgekippte und ausgelaufene Fässer mit Farbe drin
-ein Warenlager mit einem Chaos aus umgekippten Getränkekisten
-ein Lager, wo aus den Fugen und dem zerstörten Dach ein gelbes Pulver (Schwefel??) rausgelaufen ist
(siehe Fotos auf Picasa)

Schon beeindruckend, das mit den eigenen Augen zu sehen und generell so in unmittelbarer Nähe einer Katastrophe zu sein. Das hat mich auf jeden Fall geprägt und daran werde ich mich den Rest meines Lebens erinnern. Man weiss nie, ob es einen am nächsten Tag nicht selbst trifft. Man kann sich nie sicher sein, was der nächste Tag oder die nächste Nacht bringt.

Naja, wir sind in Valdivia gut angekommen und konnten uns erstmal bei Ricardo & Ana Luisa, den Eltern von Gaby und Constanza einnisten. Da haben wir ausgeschlafen und haben am nächsten Tag (Samstag) die Wohnung angeschaut, die wir reserviert hatten. Das war aber eine komplette Verarschung. Eine Baustelle. Kein Boden, die Wände nicht verputzt und natürlich keine Möbel. Auf jeden Fall unbewohnbar. Da mussten wir nochmal von vorne anfangen und eine Wohnung suchen. Haben alle Nummern vom schwarzen Brett angerufen und haben so noch in der Stadt gesucht und gefragt. Die allermeisten Wohnungen sind schon vermietet, wir kamen ja relativ spät. Haben 3 zur Auswahl gehabt, die alle das gleiche kosten und uns dann für eine entschieden. Da konnten wir am Montag einziehen. Haben uns ein bisschen eingerichtet und uns dann mit Bine getroffen. Sie ist aus Santiago angekommen, um hier auch CALA zu Ende zu studieren. Wir kennen uns also schon aus Münster-Zeiten. Den Abend haben wir wir zusammen bei Ricardo & Ana Luisa verbracht, bei Knoblauchbrot und guter Unterhaltung.
Am Dienstag waren wir uns erstmal im Supermarkt mit Nahrungsmitteln eindecken.
Marco hat gekocht und Bine und ich haben den Nachmittag zusammen verbracht, sind durch die Uni gelaufen, durch den botanischen Garten, ich hab ihr viel vom Leben und der Uni hier erzählt und sie hat mir viel vom Leben in Münster erzählt und ich bin ganz nostalgisch geworden. So viele gute Erinnerungen... Das war so eine tolle Zeit! Und Bine bringt mir das wieder ganz nahe. Hach, es gibt so viele Sachen an Deutschland, die ich hier vermisse. Nur bin ich mir dessen nicht bewusst, bis Bine wieder gewisse Details erwähnt, die das Leben in Deutschland so wertvoll machen. Wobei es hier auch wunderschön ist. Ich geniesse es total und Valdivia ist so wunderschön, vor allem bei dem Wetter.


Trotz allem, was passiert ist, bin ich froh, hier in Chile zu sein und geniesse es. Ich weiss, dass ich hier eine Phase zu Ende bringen muss und da werde aus der Zeit hier das Beste herausholen. Ich bin mir bewusst, dass nicht jeder die Chance hat, ein fremdes Land kennenzulernen und die Gelegenheit hat, so viel zu lernen und so viele interessante Erfahrungen zu machen, wie ich es gerade tue. Bin immer dankbar dafür, hier sein zu können und alle diese Tage geschenkt zu bekommen.

Freitag, 5. März 2010

so langsam normalisiert sich die lage wieder, die aufraeum- und aufbauarbeiten sind in vollem gange.
wir haben bustickets fuer morgen gekauft und werden um 13.00 hier in rancagua abfahren und hoffentlich so um 23 Uhr in Valdivia ankommen. Eine Kommilitonnin von mir hat die Reise gestern gemacht und ist wohlbehalten angekommen. Gottseidank sind die Pluenderungen vorbei, das militaer hat ordnung geschafft in concepcion. die lastwagen mit essen, wasser, decken und klamotten werden also jetzt nicht mehr ueberfallen.
die panamericana, also die nord-sued-autobahn, ist zwar in keinem besonders gutem zustand, es sind einige bruecken zusammengebrochen und an einigen stellen ist der asfalt auseinander gebrochen oder es gibt rissen und wellen. deswegen fahren die busse nur tagsueber. ich denke, wir werden gut ankommen. haben uns gut eingedeckt mit proviant und morgen werde ich mir alle zeitschriften kaufen, die es gibt, um mich nicht zu langweilen. allerdings ist es auch eine schoenes erlebnis, tagsueber zu reisen, weil man so die landschaft betrachten kann und so das land kennenlernt. sonst brausen wir ja immer durch die dunkelheit.
ach, und heute hat marco ein universal-ladegeraet gekauft, dass auch fuer die kamara funktioniert und es hat nur 4 euro gekostet. so werden wir bestimmt das ein oder andere landschaftsfoto machen. und am montag fliegt bine von santiago nach valdivia und bringt mir meinen laptop mit :-) ab da werd ich wieder fotos hochladen koennen und besser mit der welt verbunden sein.

Sonntag, 28. Februar 2010

Diebstahl und Erdbeben

Uff, endlich kann ich hier schreiben, hier ist so einiges passiert:
Wir waren letzte Woche auf dem Rückweg von Viña und sind nach Rancagua gefahren. Als wir in Santiago den Bus gewechselt haben, hat dieser an einer Ampel 5 Minuten gehalten und unser Pilotkoffer wurde unten aus dem Bus rausgeklaut. Da war der Laptop, die externe Festplatte mit alles Daten und alle unsere Ladegeräte drin. Der Dieb ist einfach damit weggerannt, aber der Busfahrer hat angeblich nichts davon mitbekommen. Und uns hat er auch erst nach weiteren 3 Minuten bescheid gesagt. Wir haben sofort die Polizei angehalten. Die hat augenblicklich Verstärkung angefordert und es kamen sofort 5 Motorräder und 3 weitere Streifenwagen und sind das Gebiet abgefahren. Leider wars schon zu spät. Wir haben den Busfahrer im Verdacht. Naja, wir haben gleich Anzeige erstattet bei der Polizei und sind zum Busunternehmen gegangen, um zu reklamieren. Da wurde uns aber gesagt, dass wir keine Chance haben, igendwas erstattet zu bekommen. Irgendwelche Ausreden werden immer erfunden, um sich aus der Verantwortung zu stehlen. Das selbe ist uns auch passiert, als wir bei der Verbraucherzentrale von hier uns beschwert haben und gefragt haben, was wir machen sollen. Ausserdem waren wir bei einer "Verteidiger-Schule", um das ganze von der rechtlichen Seite uns erklären zu lassen, aber da wurden wir auch weg geschickt. Beim Transportministerium haben wir den Fall auch eingereicht und der wird nach Santiago weitergeleitet. Uns persönlich bringt das aber gar nichts. Wir sind ziemlich am Ende wegen dem Verlust, da stecke ja so gut wie unser ganzes Leben drin. Die ganzen Fotos, die Erinnerungen, unwiderbringlich verschwunden. Und weil keiner, ausser einem Taxifahrer, der durch sein Hupen den Busfahrer auf den Diebstahl aufmerksam gemacht hat und dann direkt weggefahren ist, was gesehen hat, gibt es keine Zeugen. Einfach weg! Und was das auch an materiellem Wert ist. Der PC war neu, hatte ich ja erst im Juli gekauft. Die Festplatte kostet 100 Euro. Und die Ladegeräte, die wir jetzt nachkaufen müssen, kosten auch so um die 25 Euro. Und unsere Luftmatratze war auch da drin, deswegen müssen wir jetzt zu zweit in einem 90cm-Bett schlafen. Naja, so langsam haben wir uns auch dran gewöhnt.

Naja und dann kam das Erdbeben. Sowas krasses hab ich noch nicht erlebt. Hatte ein bisschen Angst, als ich davon geweckt wurde, aber viel schlimmer war der Schock. Ich konnte es gar nicht fassen, was um mich passiert. Ein ohrenbetäubender Lärm und alles bewegte sich. Ich konnte mich nicht auf den Beinen halten, wurde hin und her geschüttelt. Hab mich an Marco festgekrallt, aber wäre fast umgefallen. Meine Beine haben gezittert wie noch nie, ich konnte nicht mehr. So standen wir unter dem Türrahmen und haben gewartet, bis es vorbei geht. Es war schrecklich, wir wussten nicht, wohin wir fliehen konnten, wo wir in Sicherheit sein konnten. Alles war ein einziges, sich bewegendes Chaos. Naja, es hat nur 2 Minuten gedauert und dann war es still. Der Strom war natürlich ausgefallen und es war stockdunkel. Erstmal haben wir uns dran gemacht, Wasser zu horten in der Badewanne und in grossen Töpfen und auch das Gas abzustellen. Dann haben wir Kerzen gesucht und konnten so ein bisschen was sehen. Das Bild, was sich uns bot, war schrecklich: Die Fernseher waren auf den Boden gefallen, alle Blumenvasen umgekippt und zerbrochen, die Möbel um einen halben Meter verschoben. Ein Gläserschrank war durchgebrochen und die Gläser und das Geschirr lagen verstreut im Raum herum. Im Baden flogen die diversen Shampooflaschen, Bürsten, Zahnpasten und Parfums auf dem Boden rum. Man konnte nirgendwo laufen, weil alles bedeckt von Scherben war. Das Aquarium lag kaputt auf dem Boden und die Fische keuchend auf dem Teppich. Javiera hat sie gerettet. Aber ohne Pumpe sind sie schnell schwach geworden und jetzt sind sie im Fische-Himmel.
Dann sind wir erstmal nach draussen vor die Tür gegangen. Da haben wir gesehen, dass die Mauer von gegenüber umgekippt ist. Die Leute von gegenüber sind mit Matratzen und Decken aus ihrem Haus gegangen und haben sich auf der Plaza niedergelassen. Der Bürgermeister kam und hat sich das Haus angeschaut und es als unbewohnbar deklariert. Nach und nach kamen Polizei und Feuerwehr vorbei. Uns hats wohl recht gut erwischt, aber ein paar Strassen weiter gibt es einige Häuser, die in einem viel schlechteren Zustand sind und bestimmt total eingebrochen sind. Es kamen die Verwandten vorbei, die auch hier wohnen, um nach dem Rechten zu sehen, aber es geht allen gut. Marcos Onkel arbeitet normalweise in der Kupfermine, aber an dem Tag hatte er gottseidank frei. Und Marcos Stiefvater arbeitet in Concepción, der Stadt, wo das Epizentrum ist. Aber er hat diese Woche auch frei. Was sind wir erleichtert. Weiterhin sind wir vor der Haustür und sehen die Autos, die vorbeirasen, um schnell zu ihrer Familie zu kommen. Einige spritzen uns nass, denn der Kanal, der von den Bergen kommt, ist aus den Fugen geraten und ein Teil der Strasse steht unter Wasser. Das fliesst aber schnell ab und nach einer Stunde kommt auch nichts mehr nach. Uns gehts allen gut und wir sind alle zusammen. Das Telefon funktioniert auch und die Familie ruft die wichtigsten Verwandten an. Als ich nach Deutschland telefonieren will, geht aber gar nichts mehr. Handys haben keinen Empfang und selbst das Satelliten-Internet funktioniert nicht. Wir hören Radio mit meinem Handy und kriegen so mit, dass das Epizentrum gar nicht direkt hier ist, wie wir gedacht haben, sondern 500 km entfernt. So stark, wie wir es gespürt haben, dachten wir, es wäre hier. Mit 8,5 ist es das zweitschlimmste Erdbeben in der Geschichte von Chile. Da erst fangen wir an, uns Sorgen zu machen um die Leute, die dort sind und so langsam hören wir von den Todesopfern. Angefangen hat es mit 6. Die Präsidentin war 20 Minuten nach dem Beben im Radio zu hören und hat die Bevölkerung zur Ruhe gerufen und das Gebiet und die Hälfte von Chile als Katastrophengebiet deklariert. Nach und nach bekommen wir mit, dass auch Santiago betroffen ist, dass dort Brücken eingestürzt sind und Autos darunter begraben wurden. Bis es hell wird, hören wir weiter Radio, aber dann werde ich so müde, dass ich ins Bett gehe. Grade, als ich am einschlafen war, kam ein Nachbeben und ich war blitzartig auf den Beinen und unter dem Türrahmen. So schlimm wars dann doch nicht und ich konnte ein paar Stunden schlafen. Geweckt wurde ich so um 12 von einem weiteren Nachbeben. Die anderen waren schon wach und dabei, die umgefallene Mauer im Garten wegzuräumen und die Scherben im Haus zusammenzukehren. Javiera hat Brot (ohne Hefe) im Ofen gemacht, weil natürlich alle Läden zu hatten. Und gut, dass die Öfen hier in Chile mit Gas funktionieren. Die Wasserversorgung war auch wieder in Takt und ich konnte duschen. Zum Mittagessen haben wir die Rest vom Vortag gegessen und haben den Rest des Nachmittags mit Aufräumen und Radio hören verbracht. Nachmittags hat der Supermarkt aufgemacht, er war total überfüllt und auf dem Boden befand sich eine Sauce aus Spülmittel, Waschmittel und Flüssigseife. Brot gab es keines (die industriellen Öfen sind elektrisch) und das Mehl und die Hefe waren ausverkauft. Wir konnte grade noch die letzten 3 Kilo "Mehl mit Trockenhefe-Mischung" ergreifen. Ansonsten haben die Leute Getränke und Kerzen gekauft. Batterien für Radio odr Taschenlampen waren schon längst ausverkauft, als wir eine halbe Stunde nach der öffnung kamen. Als wir durch die Stadt gelaufen sind, haben wir gesehen, dass es andere viel schlimmer getroffen hat als uns. Wir haben zwar kein komplett eingestürztes Gebäude gesehen, aber einige Häuser waren in einem sehr schlechtem Zustand.
Abends sassen wir im Kerzenlicht zusammen, Tomas hat Gitarre gespielt und gesungen und wir haben geredet. Was anderes bleibt einem auch nicht übrig, als zusammen zu halten und gemeinsam auszuhalten.
Heute gab es wieder Zeitung zu kaufen und da hab ich erst gesehen, dass es eine wahre Katastrophe ist und dass wirklich die Hälfte von Chile betroffen ist. Zwar nicht überall mit Todesopfern, aber mir ordentlichen Schäden. In Valdivia ist ein Teil der Hafenpromenade eingestürzt, aber sonst wurde niemand verletzt. Dort sind auch die Supermärkte geöffnet und es gibt Strom (habe ich jetzt über Internet erfahren).
Die Uni fängt erst eine Woche später an, also erst am 15. Wie und ob wir in den Süden kommen, wissen wir noch nicht. Im Moment fahren wohl keine Busse, aber wahrscheinlich normalisiert sich das im Laufe der woche.
Das schwierigste ist, dass man nichts mitkriegt, dass es keine Telekommunikation gibt. Handy und Telefon funktionieren, wenn überhaupt, nur sporadisch. Obwohl der Strom seit 2 oder 3 Stunden wieder da ist, kommt das Fernsehsignal nicht an. Wir wissen also überhaupt nicht, was los ist und wie es aussieht.
Abgesehen davon geht es uns gut, ich bin entspannt und nutze die Zeit zum Lesen oder Tagebuch schreiben. Und heute haben wir "unser" Zimmer aufgeräumt, alles in die Koffer geräumt und geputzt. Das war vielleicht ein Drama in der Erdbeben-Nacht: Klamotten und Schuhe zu finden. Und mit der Nervosität des Schocks hab ich bestimmt 2 Minuten gebraucht.
Naja, das zur Information. Und: Nicht alles, was die Medien verbreiten, stimmt auch so.

PS: Fotos gibts fürs erste nicht mehr, weil Kabel und Ladegerät geklaut sind.

Donnerstag, 18. Februar 2010

Wir wohnen zur Zeit (seit knapp 2 Wochen) bei Marcos Grosskusine Ketty (naja, eigentlich heisst sie Enriqueta, aber aus verständlichen Gründen benutzt sie lieber ihren Spitznamen). Ketty wohnt auf de Hügel Miraflores, einem der vielen Hügel von Viña, von wo aus man einen tollen Ausblick aufs Meer und den Hafen hat. Das Leben hier ist toll, es ist immer was los und man kann sogar an einem Dienstag (!!!) Party machen und bis 5 Uhr durchfeiern. So geschehen gestern. Ketty hat einen Kiosk im Zentrum von Viña, den sie zusammen mit ihrem Bruder Lucho betreibt. Sie arbeitet tagsüber und er nachts, so ab 12. Der Kiosk ist direkt in einer der Partyzonen von Viña und da ist nachts immer am meisten los. Gestern haben wir sie also abgeholt, Lucho hat sie schon ein bisschen früher abgelöst und so sind wir auf die Partymeile gegangen. Erst waren wir im Balmaceda, ich hab ein paar Mädels aus Antofagasta (zweitnördlichste Stadt von Chile) auf dem Klo kennengelernt und da haben wir unsere Konversation so weit ausgedehnt, dass Marco sich schon Sorgen gemacht hat. Später sind wir nach Valparaiso gegangen, haben Pisco Sour (die Damen) und Mojito (der Herr) getrunken und auf 80er-Musik getanzt.  Leider waren auch ein  paar Lieder dabei, die von vor meiner Zeit sind. Da konnte ich dann nicht mitsingen, aber die anderen beiden hatten ihren Spass, weil es alles Lieder aus ihrer Jugend waren. Generationsunterschied nennt man das wohl. Naja, nur ein kleines Detail eines rundum gelungenden Abends bzw. Partynacht. Zitronen-Rum kann ich empfehlen. Das ist ein neues Getränk, was im Supermarkt im Angebot war. Rum mit Zitronengeschmack. Gemixt mit Sprite oder Ginger Ale schmeckt das gar nicht schlecht. Mal ne Alternative zum Pisco. 

 

Wir haben übrigens auch ein Leben tagsüber: Die meisten Tage waren wir am Strand, sind braun geworden, haben Ball gespielt und waren im Meer. Das ist ziemlich erfrischend: 15-17 º Durchschnittstemperatur. Am Anfang traut man sich gar nicht, aber dann kommt eine Welle, die einen mitreisst und schon ist man drin. Hach, ich liebe das Meer. Und die Wellen in Concon sind am besten. Da haben wir bodyboarden ohne Board gemacht. Also so lange wie möglich versuchen, auf der Welle mitzureiten. Herrlich. Aber am Ende, wie man es auch anstellt, hat man Sand an allen möglichen und unmöglichen Körperstellen. Oft waren wir nach dem Strand noch was trinken in einer der diversen Bars. After-Beach nenne ich das. Was für ein Leben! Echt schade, dass die Ferien "nur" 3 Monate dauern, ich hab mich schon so dran gewöhnt, so könnte es auch den Rest des Jahres weitergehen.

hier nochmal der Link zu den Fotos

Am Sonntag kam Ketty aus ihrem Urlaub im Süden von Chile (3 h südlich von Pto Montt) zurück und wir haben zusammen gegrillt und die Videos, die sie dort gedreht hat, angeschaut. Sie haben ein Ferienhaus da auf dem Land, wo sonst keiner wohnt, ein Bus am Tag fährt und man zum Lebensmittel einkaufen nach Pto Montt muss. Achso, und hab ich erwähnt, dass der einzige Bus um 5 Uhr morgens fährt? Ein ganz anderes, ursprüngliches Leben, weit weg vom Lärm der Städte, in einer einsamen Idylle. Bei gutem Wetter kann man die Natur geniessen oder an den Strand gehen, der direkt vor der Haustür liegt. Wenns aber regnet, hat man nichts zu tun, ausser Videos schauen oder Karten spielen. Und da der Sommer dieses Jahr im Süden von Chile (inkl. Valdivia) nicht stattgefunden hat, bleibt nichts anderes übrig. Trotz allem waren die Ferien für Ketty sehr entspannend. Nach den Urlaubsvideos haben wir es uns im Sofa gemütlich gemacht und zwei Filme angeschaut: Zombieland und Hang Over. Beides unterhaltsame Komödien und zu empfehlen für einen ruhigen Sonntag

Ausserdem habe ich zwei Shopping-Tage eingelegt. Hach, Shoppen macht glücklich. Und wenns nur mit den Augen ist. Ich hab Marco zuhause gelassen und habe die Mall und die anderen Klamottengeschäfte erobert. Hach, was gibt es hier für tolle Läden: Zara - ein Luxus, ich glaub, es gibt nur 2 Filialen in ganz Chile: Santiago und Viña. Hach, da hab ich bestimmt 2 Stunden verbracht. Das ist für mich das Paradies. Vielleicht hab ich es schon mal erwähnt, aber in Valdivia ist Shoppen unmöglich. Es gibt einfach keine Klamottenläden. Hier hab ich es also richtig ausgenutzt. Hab jedes, aber auch jedes Kleidungsstück anprobiert, was mir gefallen hat, ohne auf den Preis zu schauen, einfach nur weil ich Spass dran hab. Und heute hab ich mir eine tolle Jeans gekauft, die perfekt sitzt und unglaublich bequem ist. Jeans zu finden, ist nicht so leicht für mich und wenn dann mal was gut sitzt, muss ich zuschlagen. Ausserdem hab ich mir seit letztem Juni keine Hose mehr gekauft und in der Zeit hier in Südamerika nur 1 Top und einen Pulli. Hatte also absolute Shopping-Abstinenz. Die wurde jetzt aber befriedigt. Und da hier bei Ketty zuhause jede Menge Frauenzeitschriften rum, schmöker ich immer darin und bin so auf dem Laufenden, wa grade modisch angesagt ist. Und dadurch bekommt man natürlich noch mehr Lust auf Shoppen, man wird gradezu dazu angeregt, direkt loszulaufen und einzukaufen. Zeitschriften lesen ist auch sowas, was man nur in den Ferien macht. Ich hab bestimmt seit einem Jahr nicht mehr in eine Zeitschrift reingeschaut und bin ganz fasziniert, worüber da alles geschrieben wird. Und es gibt eine Zeitschrift hier, die mir gut gefällt, sie heisst Paula und ist als Beilage bei der Tageszeitung "La Tercera" dabei, das ist ein ganz anderes Kaliber als die typische Glamour usw... - besser. Interessante und inspirierende Reportagen sind da dabei. 

Freitag, 12. Februar 2010

Gestern: Strandtag. 

 

Heute: Katertag.   

Donnerstag, 11. Februar 2010

Valdivia: Bewertung

Oft werde ich gefragt: "Wie ist Valdivia?" Nachdem ich knapp 5 Monate dort gelebt habe, möchte ich kurz Schlüsse ziehen über die Lebensqualität und das Freizeitangebot. Selbstverständlich sind dies alles persönliche Eindrücke und Meinungen, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Ich weiss auch, dass viele Leute eine ganz andere Meinung haben als ich. Hier also meine Bewertung: 
Positives über die Lebensqualität:
+ der öffentliche Nahverkehr ist sehr preiswert, die Taxis sind die billigsten in ganz Chile. Allerdings fährt die Micro in Valdivia nur bis ca. 20 Uhr (nicht wie in anderen Städten die ganze Nacht durch), was bedeutet, dass man danach auf Colectivos angewiesen ist. Wenn ich zum Schwimmen fahre, zahle ich auf dem Hinweg 170 $ (40 ct) mit Studententarif in der Micro und auf dem Rückweg 800 $ (1,10 Euro), weil ich da zwei verschiedene Colectivos, die jeweils $ 400 kosten, nehmen muss. Wenn man mit dem Taxi unterwegs ist, zahlt man normalerweise höchstens 3.000 $ (ca. 4 Euro).
+ die Uni schafft ein jugendliches und lebhaftes Flair in der Stadt und ist ausserdem der wichtigste Arbeitgeber in der Region
+ die Abdeckung durch Supermärkte ist gut, das heisst, man hat es nie besonders weit zum Einkaufen. Es sind auch fast alle chilenischen Supermärkte vertreten, aber ein Jumbo fehlt. Jumbo ist der grösste Supermarkt mit der besten Auswahl, manche Produkte bekommt man eben nur dort. Wenn man also was spezielles braucht, müsste man 2 Stunden mit dem Bus nach Osorno fahren.
+ es gibt ein relativ breit gefächertes Sportangebot. Es gibt verschiedene Fitnessstudios, man kann Rudern, Tanzen, Klettern, Yoga machen und Kampfsport ausüben. Alle anderen Sportarten (Mannschafts-und Ballsportarten) gibt es allerdings nur für Studenten. Soweit ich weiss, gibt es keinen Vereinssport oder eine andere Möglichkeit für Erwachsene, Sport zu machen. Fahrrad fahren oder Joggen kann man allerdings vergessen, ausser man gehört zu den ganz Harten, denen der Regen beim Sport nichts ausmacht.
+ / - das gastronomische Angebot: es gibt für jeden Geldbeutel etwas, man wird immer satt, allerdings darf man nichts Exquisites oder etwas Neues oder Innovatives erwarten. Und irgendwann hat man natürlich alle Lokale durch.
+ der Fischmarkt "Mercado fluvial": Man bekommt preiswerten Fisch in ausgezeichneter Qualität und Frische, ausserdem eine breite Auswahl an Meeresfrüchten. Wenn man nicht selbst kochen möchte, kann man sehr preiswert in den kleinen Lokalen direkt gegenüber die frisch zubereiteten Gerichte verzehren.
+ für Asados gibt es keine Grenzen. Grillen oder Kochen zu Hause kann man immer und das wird auch gemacht. Das Leben zu Hause wird ausgelebt, man trifft sich öfters, um einfach nur gemeinsam zu abend zu essen oder ein Bierchen zu trinken.
Nachteiliges über die Lebensqualität:
- das Wetter. Es regnet. Und regnet. Und regnet. Wenn man Glück hat, dauert der Sommer 2 Monate, aber dieses Jahr ist es quasi ausgefallen, es gab ein paar sonnige Tage, aber insgesamt waren die Temperaturen eher wünschenswert. Die restlichen 10-11 Monate übersteigen die Temperaturen kaum die 20 °. In den 5 Monaten konnte ich an 3 Tagen ohne Winterjacke vor die Tür gehen. Es regnet zwar keine 24 Stunden durch, man kann durchaus mal ein paar sonnige Stunden haben am Tag. Dann regnet es aber wieder eine ganze Woche ununterbrochen. Wer den Regen mag, wird Valdivia lieben! Am Anfang ist es nicht so schlimm, aber wenn es sich monatelang überhaupt nicht bessert, schlägt das auf die Stimmung.
- die Leute sind nicht ganz so nett wie in anderen Teilen von Chile. Das liegt am Klima. Man merkt den Unterschied in der Lebenseinstellung. Das soll aber nicht heissen, dass die Leute unfreundlich sind oder keinen Spass am Leben haben, ganz im Gegenteil, es wird ordentlich gefeiert und es gibt seeeehr viele liebenswerte Personen. Gerade, wenn man jemanden etwas näher kennenlernt, sind die Leute sehr liebenswürdig, überaus freundlich, gastfreundlich, offen und gut drauf. Ich beziehe mich nur auf die formale Behandlung im Supermarkt, den Läden, im Restaurant oder Taxi/Bus/Colectivo. Da kann einen durchaus mal eine griesgrämige Person treffen oder es kann passieren, dass man schlecht bedient wird. In anderen Regionen von Chile ist mir sowas noch nicht passiert.
- man kann nicht shoppen gehen oder einen Schaufensterbummel machen, zumindest nicht, wenn man deutsche Einkaufsstrassen gewohnt ist. In Valdivia gibt es keine schönen oder modischen Läden. Klamotten kann man eigentlich nur in der Mall kaufen.
- Man bekommt in Valdivia eigentlich alle Dinge des täglichen Bedarfes. Wenn man allerdings etwas Spezielles braucht, wie zum Beispiel ein Ersatzteil für Computer, Kamera oder Auto braucht oder einfach nur Kopfhörer für den Ipod, muss man eigentlich direkt nach Santiago gehen. Und wenn irgendeines dieser Geräte kaputt geht und es ein Garantiefall ist, wird es auch nach Santiago geschickt und man muss 2 Monate darauf verzichten. Leihgeräte gibt es natürlich keine. Wenn man also auf seinen Computer angewiesen ist, muss man die Reparatur privat bezahlen.

Wenn man über Freizeitgestaltung reden will, finde ich, dass Valdivia ziemlich beschränkt ist. Abgesehen von den Dingen, die ich schon genannt habe, kann man folgende Sachen kann man unternehmen:
+ Botanischer Garten: Ist einen und auch noch weitere Besuche wert. Ideal zum Entspannen.
+ Parque Oncol: Naturpark zum Wandern und Canopy machen
+ Niebla: Fuerte, Strand und Feria municipal
+ Los Molinos und Corral: Küstenorte, die einen Besuch wert sind
+ Besuche in weiteren Orten in der Umgebung
+ Schiffsrundfahrt von Valdivia aus
+ 2 interessante Museen in der Isla Teja: Museo de Arte Contemporanea mit unterschiedlichen Ausstellungen und Museo Historico, direkt nebendran
+ im Sommer gibt es verschiedene kulturelle Veranstaltungen: Bierfest, Semana Valdiviana. Ausserdem gibt es jedes Jahr ein Festival de Cine und ein Festival de Musica.

irgendwann hat man allerdings alles das schon durchgemacht. Und sonst kann man nicht viel machen:
- das einzige Schwimmbad hat ziemlich dreckiges Wasser und für die Öffentlichkeit sind nur 2 Bahnen frei. Ok, es gibt aber eine Sauna und ein Dampfbad. Beides kostet 5 Euro. Das Freibad macht am 15. Dezember auf und ist von 15- 19 Uhr geöffnet.
- es gibt ein Kino, wo etwa 5 Filme gezeigt werden. Die bekannten Filme kommen aber erst mit 2 Monaten Verspätung nach Valdivia. Wenn überhaupt. Es gibt ein alternatives Kino in der Uni, wo nationale und Budget-Produktionen gezeigt werden.

Wenn man sich mit diesen Gegebenheiten abfindet, lernt man es, seinen Alltag neu zu gestalten und sich an die Situation anzupassen. Es ist nicht so leicht, sich einzugewöhnen, aber wenn man weiss, worauf man sich einlässt, kann man besser damit umgehen. Abgesehen davon muss natürlich jeder seine eigenen Erfahrungen machen und ich weiss auch, dass viele Leute meine Ansichten nicht teilen.
Also, diese Bewertung / Beschreibung ist ohne Gewähr, wollte nur eben meine Erfahrungen zusammenfassen und mitteilen. Jetzt, wo meine Ferien dem Ende zugehen (nur noch 2 einhalb Wochen), bereite ich mich auf den Neuanfang in Valdivia vor und das geht natürlich nicht ohne die Vergangenheit zu verarbeiten. Nach dem Semester sind wir ja blitzartig nach Kolumbien verschwunden und haben einfach alles hinter uns gelassen. Und hier in Viña waren wir einfach viel zu beschäftigt, unsere Ferien zu geniessen und zu entspannen.